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Leadership im Team etablieren

Patrick Mahomes.

Tom Brady.

Aaron Rodgers.


Wenn Profis gefragt werden, wem sie in kritischen Situationen den Turnaround zutrauen, fallen diese Namen sehr oft. Alle drei Spieler gelten als Führungsspieler. Als die Spieler, die ein Team führen und antreiben können. Die mit gutem Beispiel vorangehen und den Rest des Teams mitziehen.


Mit Sicherheit kann jeder Spieler mindestens einen Teamkameraden nennen, den er mit solchen Eigenschaften in Verbindung bringt. In einigen Fällen entwickelt sich diese Rolle automatisch durch das Handeln und Reden einer Person auf und neben dem Platz, im Training und im Spiel.

Allerdings lässt sich Leadership auch gezielt fordern und fördern, sollte es sich nicht von alleine etablieren.

"Contrary to the opinion of many people, leaders are not born. Leaders are made; and they are made by effort and hard work." —Vince Lombardi

Es gibt Parallelen zwischen Talent und Führungsstärke. Einige Menschen sind mit einem von beidem oder gar beidem gesegnet. Doch wenn sie diese Basis nicht trainieren und ausbauen, verfällt sie. Es gibt Menschen, denen man direkt zu folgen gewillt ist, weil sie Führung vorleben. Genau wie Talente, kommen aber auch diese Personen irgendwann an einen Punkt, wo die natürliche Gabe nicht mehr ausreicht. Auch sie müssen hart an sich arbeiten, um diesen Status und diese Fähigkeit zu behalten – genau wie es Vince Lombardi in seinem Zitat sagt.

Einige Trainer überlassen es dem Zufall, ob sich Leadership etabliert oder nicht. Dabei ist es gerade ein erfolgreiches Leadership im Team, das am Ende in kritischen Situationen über Sieg und Niederlage entscheidet.

Wenn Leadership so ein wichtiger Faktor ist, warum wird diese Komponente dann so häufig einer zufälligen Entwicklung überlassen?

Es ist für Trainer essenziell, innerhalb des Team Leadership zu etablieren. Denn dies ist der kürzeste Weg, um die vom Trainerstab vorgegebenen Ziele und Einstellungen direkt im Team vorleben zu lassen.

Daher ist es für Trainer umso wichtiger, Führungsfähigkeiten zu fördern und ihre Führungsspieler zu stärken. Ihnen Instrumente an die Hand zu geben, mit denen sie das Team noch besser führen können.

Aber auch in Teams, in denen sich noch keine Führung etabliert hat, lassen sich mit denen im Folgenden vorgestellten Methoden Spieler etablieren, die das Team führen können.


Wie jedes andere Trainingsziel auch, benötigt die Entwicklung von Leadership Zeit. Es ist nichts, dass man zwischen zwei Saisonspielen auf einmal aus der Zauberkiste holen kann.

Die erfolgreiche Entwicklung von Führungsspielern beginnt im Idealfall vor der Saison. Der Trainer(stab) identifiziert Spieler, die innerhalb der Mannschaft schon eine tragende Rolle haben. Häufig sind dies ältere Spieler, dies ist aber kein Muss.

Mit diesen Spielern finden dann zusätzliche Treffen statt. Die Zusammenkünfte sollten einen besonderen Charakter haben, um die Wichtigkeit zu unterstreichen. Ein einfaches Zusammenbleiben in der Kabine nach dem Training ist dafür nicht geeignet.


Definiere „Leadership“


Im ersten Schritt wird über „Leadership“ gesprochen. Der Begriff ist ein oft benutztes Buzz Word, was aber nicht bedeutet, dass auch wirklich jeder den Sinn dahinter verstanden hat. Das erste Treffen dient dazu, eine Definition für „Leadership“ zu finden. Diese Definition ist teamspezifisch und muss zu der Mannschaft und den Personen passen. Beispiele für eine solche Definition sind:

  • „Leadership is influence“

  • „Leadership means serving“

  • „Führung heißt Verantwortung“

Diese einheitliche Definition hilft den potenziellen Führungsspielern, den Begriff „Leadership“ im Anschluss mit Leben zu füllen.

Die weiteren Schritte können in einem langen ersten Meeting besprochen werden, aber auch in Folgetreffen.


Erwartungen formulieren


Nachdem „Leadership“ generell definiert wurde, wird es nun speziell ausgestaltet. Dies ist ein Schritt, den der Trainerstab vorher unter sich geklärt haben muss.

Was wird von den Führungsspielern erwartet?

Dann wird geklärt, was die Trainer von den Spielern als Führungspersönlichkeiten erwarten – entsprechend dem vorher festgelegten Motto. In welchen Situationen sollen die Spieler agieren? Wie sieht eine führende Rolle gemäß dem Motto aus – gerne auch mit konkreten Beispielen aus vielfältigen Situationen.

Welche Chancen ergeben sie aus der Rolle als Führungsspieler?

Von der generellen Definition von „Leadership“ werden in diesem Schritt also konkrete Erwartungen und Handlungsanweisungen abgeleitet.


Eine Einheit bilden


Der Einfluss der Führungsspieler potenziert sich, wenn sie als Einheit auftreten. Eine verschworene Einheit kann noch mehr zum Erfolg des Teams beitragen als es Einzelne können.

Die einzelnen Führungsspieler sollen zu einer solchen Einheit gebündelt werden. Dazu eignen sich klassische Teambuilding-Maßnahmen. Im Sinne der langfristigen Entwicklung lohnt es sich, eine spezielle Zeit nur mit den Führungsspielern zu verbringen – bei einem gemeinsamen Tag / Wochenende / Woche. Selbstverständlich ist die zur Verfügung stehende Zeit hier der begrenzende Faktor.

Ein gemeinsamer Nachmittag kann aber auch schon den gewünschten Effekt haben.

So kann man eine gemeinsame Aktivität auswählen und diese komplett unter dem Leadership-Motto ausführen. „Leadership means serving“ würde dann bedeuten, dass man an diesem speziellen Nachmittag alles tut, um seinem Mitspieler (in herausfordernden Situationen) zu unterstützen.


Organisation der Gruppe


Im Rahmen dieser Maßnahme bildet sich dann auch meistens die Organisationsform der Führungsgruppe heraus. Innerhalb der Mannschaft haben diese Spieler durch ihre Funktion (und oft durch ihr Amt als Kapitän) schon eine Sonderstellung.

Sind Footballteams meistens klar hierarchisch strukturiert, muss dies innerhalb der Führungsgruppe nicht der Fall sein. Hier wird sich häufig eine flache Hierarchie herausstellen, wo innerhalb der Gruppe offen und zielorientiert gearbeitet wird.

Aus der Erfahrung ergibt sich aber meistens ein Spieler, der besonders heraussticht, der „Primus inter pares“, der Erste unter Gleichen.

Ein klassisches Beispiel dafür ist Ray Lewis, der durch Persönlichkeit, Leistung und Führungsstärke eine herausragende Rolle innerhalb der Führungsspieler der Baltimore Ravens hatte.


Die Wichtigkeit von Führung betonen


Irgendjemand hat immer einen besonderen Einfluss im und auf das Team. Dieser Einfluss kann positiv oder negativ sein. Positiv ist er meistens, wenn er gezielt gelebt wird. Negative Führung entsteht häufig, wenn sich ein Führungsvakuum bildet und negativ gestimmte Menschen dann das Sagen übernehmen.

Es ist entscheidend, dass die ausgewählten Führungsspieler erkennen, wie wichtig ihre Rolle ist. Denn sie sind diejenigen, die einen positiven Einfluss auf das Team haben können und erst gar kein Vakuum für negative Führung zulassen.

In diesem Zusammenhang können auch Teamziele für die kommende Saison besprochen werden.


Aber wie führt man denn jetzt?


Die Führungsspieler sind ausgewählt, eingeschworen, haben die Wichtigkeit ihrer Aufgabe verstanden und sind zu einer Einheit geworden.

Jetzt kommt der schwierigste Part: die Umsetzung. Denn die schönsten Worte bringen nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden.

Der folgende Ansatz stammt aus dem Buch „Developing the leader within you“ von John C. Maxwell. Maxwell arbeitet mit einer Pyramide zur Darstellung, wie man erfolgreich führt.




Position


Einige Spieler begründen ihren Führungsanspruch allein aus ihrer Position heraus. Aber nur eine lange Teamzugehörigkeit, Verwandtschaft zum Trainer oder ähnliches begründen noch lange keine Führung. Da dieser Faktor den geringsten Einfluss hat, steht er auf der untersten Stufe.


Erlaubnis


Auch wenn eine lange Zugehörigkeit zum Team allein keinen Führungsanspruch rechtfertigt, hilft sie oft. Denn in dieser Zeit konnte der potenzielle Führungsspieler tieferen Kontakt zu anderen Spieler aufbauen oder durch Aktionen seine Persönlichkeit beweisen. Er hat sich sozusagen die „Erlaubnis“ erarbeitet, das Team zu führen.


Ergebnisse


Walk the Talk. Wer führen will, führt nicht nur durch Worte, sondern durch Taten. Ein akzeptierter Führungsspieler hat bereits auf und neben dem Feld bewiesen, dass er nicht nur reden kann, sondern auch durch seine Handlungen einen positiven Einfluss auf das Team hat. Er hat gute Ergebnisse erzielt.


Persönlicher Einsatz


Viele Führungsspieler erreichen das Niveau der Ergebnisse. Auf den folgenden Stufen zeigen sich dann wirklich herausragende Leader. Auf dieser Stufe geht es darum, den Teamkameraden zu dienen; deren Bedürfnisse vor die eigenen zu stellen. Das fällt einigen Spielern schwer, vor allem, wenn sie sich gerade für den Erwachsenenbereich oder höhere Teams qualifizieren wollen. In diesen Momenten das eigene Ego hinten anzustellen, macht einen großen Führungsspieler aus.

Und es ist eine Investition ins Team. Denn ein Spieler wird immer mehr geben, wenn man ihm vorher geholfen, ihn aufgebaut und unterstützt hat.


Persönlichkeit


Auf dieser letzten Ebene der Pyramide findet man diejenigen Spieler, die Stufe 4 schon viele Jahre vorleben. Diese sind die Spieler, von denen man als „herausragende Persönlichkeit“ oder „mit einer besonderen Aura“ spricht.

Diese Stufe wird im Jugendbereich per Definition noch nicht erreicht.


Chancen für das Training bieten


Wenn ein Spieler seine Leistung im Bankdrücken verbessern will, benötigt er eine Stange mit Gewichten und eine Bank – er benötigt die Möglichkeit, zu trainieren.

Dasselbe gilt auch für Leadership: Die Spieler müssen die Möglichkeit haben, ihre Führung zu trainieren.

Selber gestaltete Trainingseinheiten, von den Führungsspielern gestaltete Meetings, von ihnen geführte Spieltagsnachbesprechungen. All das sind Möglichkeiten, in denen die Spieler ihre Fähigkeiten zur Führung trainieren und ausbauen können. Je nach Team und Umfeld, lassen sich mit Sicherheit viele weitere finden.


Take Home Message


Der Aufbau von Leadership benötigt Zeit und eine Struktur. Dennoch sollte er nicht dem Zufall überlassen werden, denn gute Führungsspieler können den Unterschied in den entscheidenden Augenblicken ausmachen.

Am besten beginnt der Trainerstab schon vor der Saison mit seinem Leadership-Programm, um es über die Saison dann konstant fortzuführen.

Die vorgestellte Struktur hilft dabei, ein solches Programm wirklich dauerhaft zu etablieren und den Führungsspielern Hilfen an die Hand zu geben, mit denen sie ihre Rolle erfolgreich ausfüllen können.


Text und Bild: Stephan Hütter

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